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Zwischenruf - Luisa Maurer:Der Friedhof als Ort des Neuanfangs

Eine zweite Liebe im hohen Alter kann hoffen lassen: Neuanfang ist möglich, auch wenn ich es gerade am wenigsten erwarte.
Ein Kopfhörer liegt auf einem Buch, daneben steht eine Tasse mit Tee oder Kaffee
Datum:
28. Jan. 2026
Von:
Luisa Maurer

„Ich hätte nicht gedacht, dass mir das noch einmal passiert.“ Ich schlendere mit Marianne zusammen durch Rom. Wir haben uns auf dieser Romreise kennengelernt und sind gemeinsam unterwegs. Sie erzählt mir, wie sie ihren Partner kennengelernt hat. „Ich war ja schon einmal verheiratet“, verrät sie mir. Mariannes Mann ist vor Jahren gestorben. Und vor wenigen Jahren ist dann passiert, was Marianne nie für möglich gehalten hätte. Sie hat sich noch einmal verliebt an einem ungewöhnlichen Ort. Marianne geht nämlich immer zur selben Uhrzeit auf den Friedhof und besucht das Grab ihres Mannes. Dort traf sie regelmäßig Herbert, der das Grab seiner verstorbenen Frau besuchte. Und eines Tages klingelte Mariannes Telefon. Es war Herbert, der sie fragte, ob sie mit ihm mal einen Kaffee trinken würde. „Ich habe meinen Enkeln erzählt, dass die Oma wie es aussieht ein Date hat.“, erzählt sie mir schmunzelnd. 
Mittlerweile haben die beiden schon viele Reisen miteinander unternommen. Den Friedhof besuchen sie weiterhin gemeinsam. Ihre Liebesgeschichte mit Herbert erinnert mich daran, dass ein Neuanfang immer möglich ist. Vielleicht war es kein Zufall, dass die beiden sich auf einem Friedhof kennenlernten. Für mich steht dieser Ort als Christin genau für diesen Glauben an einen Neuanfang. Für Auferstehung und für neues Leben, auch wenn andere sagen: das ist nicht möglich. Und wieso eigentlich nicht auch für eine neue Liebesgeschichte und einen neuen Anfang, ohne die alte Liebe zu vergessen.
Marianne und ich unterhalten uns noch lange an diesem Nachmittag in Rom.  An diesem Nachmittag hatte ich Tränen in den Augen. Ihre Liebesgeschichte rührt mich an. Sie macht mir Hoffnung, dass ein Neuanfang auch mir in dem ein oder anderen Lebensbereich immer wieder passieren kann – auch, wenn ich es gerade nicht erwarte.