Zwischenruf SR3 - Thorsten Hoffmann:Die kleinen Dinge

Mitte Januar war es wieder so weit. Der Naturschutzbund Deutschland lud ein zur „Stunde der Wintervögel“.
Einmal im Jahr gibt es diese Aktion. Dann sollen möglichst viele Menschen eine Stunde lang Vögel im Garten oder auf der Terrasse zählen. Es geht darum, herauszufinden, wie sich die heimischen Vogelarten entwickeln.
Als unsere Kinder von der Aktion hörten, war sofort klar: Da müssen wir auch mitmachen! Also machten wir es uns eine Stunde lang auf unserer Terrasse bequem. Mit Decke und warmem Tee und natürlich mit Stift und Zettel zum Notieren der Vögel.
Es war gar nicht so einfach, die zu zählen. Sie flogen meistens wild durcheinander und oft mussten wir im Internet nachschauen, welche Vogelart wir gerade gesehen hatten. Am Ende kam aber dann doch eine stattliche Liste zusammen. Und es gab sogar ein paar besonders schöne Vögel, die wir notieren konnten. Einen Buntspecht zum Beispiel. Und sogar einen Turmfalken.
„Das sollten wir jede Woche machen“, meinte unsere Tochter, als wir alles wieder eingepackt hatten. „Man sieht einfach so viel, was einem sonst gar nicht auffällt.“
Und das stimmt tatsächlich. Die Vögel, die wir in dieser einen Stunde beobachtet hatten, sind ja vermutlich öfter in unserem Garten. Aber ich habe sie noch nie bewusst wahrgenommen. Ich hatte einfach nie einen Blick dafür.
Leider ist das in meinem Leben häufig so. Von der Hektik des Alltags getrieben fehlt mir einfach der Blick für die kleinen Dinge um mich herum.
Ich habe mir vorgenommen, auch im Alltag öfter mal eine Auszeit zu nehmen. Sowas wie die „Stunde der Wintervögel“, aber zum bewussten Wahrnehmen von Menschen und Begegnungen, für die ich sonst gar keinen Blick habe. Vielleicht wird es so wie beim Vogelzählen. Dann gibt es da einiges zu entdecken!