Zwischenruf - altfried g. rempe:Eigentlich dankbar …

Eigentlich solltest du doch dankbar sein.
Vermutlich bekommt das vor allem zu hören,
wer sich gerade mal wieder beklagt: zu wenig Schlaf gehabt,
zu viel Stress den ganzen Tag über, bisschen krank gefühlt schon seit Tagen.
Und vom Wetter lieber gar nicht zu reden…
Doch doch: du hast allen Grund zur Klage, oft genug jedenfalls.
Und dennoch die Ansage:
Eigentlich könntest du doch dankbar sein. Was meist ja auch stimmt.
Wobei wenig hilfreich scheint, dass es anderen noch viel schlechter geht.
Schon richtig: im Vergleich geht es mir doch gut.
Aber das bleibt Kopfsache – bestenfalls. Und wenig hilfreich.
Und eigentlich sollte ich doch mit „den anderen da“ solidarisch sein.
Aber das fällt mir leichter, wenn ich mit mir sozusagen im Reinen bin,
einverstanden – oder auch dankbar.
Bleibt also dieses „Eigentlich könntest du doch dankbar sein“.
Du solltest das Gute und Schöne in deinem Leben mal neu entdecken.
Es ist bestimmt da – leider nur so oft gut versteckt und tief vergraben
zwischen allerlei Übel und Beschwerde;
die gibt es so oft und sie drängen sich immer wieder in den Vordergrund.
Mir hilft bei der Neuentdeckung von guten und schönen Stücken
in meinem Leben und auch in jedem Alltag,
wenn ich mal wieder übe, zunächst ganz ausdrücklich auf das Gute zu schauen.
Dankbar zu sein für den tollen doppelten Regenbogen bei der Radtour,
statt erst mal zu beklagen, dass es mich klatschnass geregnet hat.
Das Rad und die Klamotten trocknen – und gut…
Den Dank zulassen, einfach nur „Danke“ sagen ohne jedes Aber.
Dankbar bin ich, weil ich heute diesen Menschen getroffen habe;
eigentlich gut, dass der Zug verspätet war – so hab ich ihn noch erwischt.
Ja: das ist „positiv denken“ – aber es ist mehr:
Mich verbindet es mit Gott; dem kann ich dankbar vertrauen;
und eigentlich wäre da noch so viel mehr,
wofür ich diesem Gott dankbar bin…