Zwischenruf - Lisa Olschewski:Ikigai – Was ist dein Warum?

Was ist dein Grund morgens aufzustehen? Als ich neulich in einer Buchhandlung ein Buch für eine Freundin suchte, der es gerade nicht so gut geht, wurde ich so einfühlsam und kompetent beraten, dass ich den Laden völlig beeindruckt von jener Buchhändlerin verließ. Ich dachte: Da liebt jemand das, was sie tut. Mich erinnerte das an das japanische Konzept des Ikigai. Das wird oft mit „der Grund, morgens aufzustehen“ oder „wofür es sich zu leben lohnt“ übersetzt.
Das Spannende an Ikigai ist die Erkenntnis, dass man Sinn selbst dann finden kann, wenn das Glück einen zu verlassen scheint. Ich kann traurig sein und dennoch zufrieden, weil es einen Grund gibt, der mich trägt, weil ich mein Warum kenne, meinen Grund.
Aber wie finde ich nun mein persönliches Ikigai, meinen Grund? Drei einfache Fragen: Was kann ich gut? Was liebe ich? Was braucht die Welt?
Oft suchen Menschen den Sinn des Lebens in dicken Büchern der Philosophie oder der Religion. Ikigai erinnert mich daran, dass der Sinn im Kleinen liegt, im Alltäglichen, in dem, was Menschen zum Leuchten bringt, wenn sie etwas tun oder davon erzählen.
Der Prophet Jesaja schreibt über den Menschen als Gottes Geschöpf: Wir alle sind deiner Hände Werk. Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch, so wie er ist, gewollt und mit einer Menge Gaben ausgestattet ist. Indem ich meine persönlichen Gaben suche und einsetze, erfülle ich das, was Gott mit mir vor hatte. Oder anders: Finde mein Ikigai. Es ist an jedem selbst, sein Ikigai, sein persönliches Warum zu finden. Vielleicht können diese Fragen durch den heutigen Tag begleiten: Was kann ich gut? Was liebe ich? Was braucht die Welt? Was bringt dich zum Leuchten?