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Zwischenruf - Dr. Christoph Kohl:Kipp-Punkte

Worauf es für ein gutes Zusammenleben in unserer Gesellschaft ankommt.
Ein Kopfhörer liegt auf einem Buch, daneben steht eine Tasse mit Tee oder Kaffee
Datum:
7. Apr. 2026
Von:
Dr. Christoph Kohl

Ich mache mir Sorgen um unsere Gesellschaft. Wie lange wird sie noch so einigermaßen gut funktionieren wie in den vergangenen Jahrzehnten?

Beim Klima spricht man von „Kipp-Punkten“. Wenn bei den Klimaveränderungen manche Entwicklungen einen gewissen Punkt überschreiten, dann geht es unaufhaltsam abwärts, dann gibt es kein Zurück mehr. Das drohende Unheil kann dann nicht mehr abgewendet werden – mit unabsehbaren Folgen für unser Leben.

Solche Kipp-Punkte, ab denen es nur noch abwärts geht, die gibt es nicht nur beim Klima. Die gibt es auch bei zwischenmenschlichen Beziehungen und in unserer Gesellschaft als ganzer. 

Dafür, dass das Zusammenleben im Kleinen und im Großen gut geht, sind bestimmte Grundhaltungen und Verhaltensweisen nötig. Dazu gehören Wohlwollen und ein gewisses Vertrauen dem anderen gegenüber; die Bereitschaft, sich gegenseitig zuzuhören und zu verstehen; Rücksicht; die Fähigkeit, auch mal von sich selbst abzusehen; ein gewisser Sinn für das Gemeinwohl und die Bereitschaft, sich für die anderen einzusetzen. All das ist notwendig, damit die Gesellschaft gut funktioniert – und damit es jedem von uns darin gut gehen kann.

Was aber, wenn diese notwendige Grundlage für ein gutes Zusammenleben immer mehr bröckelt? Dann können wir an einen Kipp-Punkt kommen. An einen Punkt, ab dem Staat und Gesellschaft nicht mehr den guten Lebensraum bieten können, den wir von ihnen selbstverständlich erwarten. 

Noch können wir das verhindern. Aber nur dann, wenn jede und jeder bei sich anfängt und sich fragt, was er selbst für ein gutes Zusammenleben tun kann. Dadurch kann das Klima in der Gesellschaft besser werden – damit sie jedem von uns das gewährleisten kann, was sie oder er sich von ihr erhofft