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Zwischenruf - Dr. Christoph Kohl:Mit dem Leben versöhnt

Wer zu sich „Ja!“ sagen kann, strahlt aus.
Ein Kopfhörer liegt auf einem Buch, daneben steht eine Tasse mit Tee oder Kaffee
Datum:
8. Apr. 2026
Von:
Dr. Christoph Kohl

Mit Menschen, die Hilfe suchen, komme ich im Gespräch oft an einen wichtigen Punkt: Es stellt sich die Frage, ob sie mit sich selbst versöhnt sind. Je mehr Lebensjahre hinter einem liegen, je älter jemand ist, desto wichtiger ist diese Frage für das eigene Lebensglück, ob ich mit mir im Reinen bin und zufrieden. 

Das gilt auch für mich selbst: Ich bin jetzt 70 Jahre alt und seit Jahresbeginn im Ruhestand. Meine aktive Berufszeit liegt hinter mir, und der größte Teil meiner Lebenszeit auch. An meinem bisherigen Leben kann ich nichts mehr ändern. 

Das nehme ich ganz bewusst wahr. Und ich möchte mich den Fragen stellen, die damit verbunden sind: Kann ich innerlich annehmen, wie mein Leben war und jetzt ist? Kann ich mich selbst annehmen, so, wie ich dadurch geworden bin, mit allem Positiven und Fraglichen, mit allen Schwächen und Macken? Oder gilt für mich die Erkenntnis: „Der, der ich jetzt bin, grüßt trauernd den, der ich eigentlich sein möchte“? All das bündelt sich in der Frage: Bin ich mit mir versöhnt? 

Wer das nicht ist, der wird kaum zu innerer Ruhe kommen. Ob ein Mensch mit sich im Reinen ist, das strahlt aus, gerade auch auf die Beziehung mit anderen. Wer mit sich versöhnt ist, der ist in sich gelöster und freier.

An diesem Punkt hilft mir der tröstliche Gedanke, dass mein Leben und ich selbst Bruchstück bleiben darf, unvollendet, dass da nichts perfekt sein muss. Weil Gott mich und mein Leben so annimmt, wie es ist. Weil Gott ein bedingungsloses „Ja“ zu mir sagt, deshalb fällt es mir leichter, auch selbst „Ja“ zu mir zu sagen; wenn Gott mir verzeiht, fällt es mir leichter, mir auch selbst zu verzeihen und mit mir zu versöhnt zu sein. Und ich bete darum, dass mir das immer wieder neu gelingt. Gerade jetzt, wo ich auch schon älter bin.