Zwischenruf SR3 - Dr.in Martina Fries:Palmsonntag

Christ*innen feiern heute Palmsonntag. Die Geschichte dazu steht in der Bibel.
Jesus reitet auf einem jungen Esel in die Stadt Jerusalem. Und eine große Menschenmenge jubelt ihm zu. Die Menschen schwenken Palmwedel und legen ihre Kleider vor ihm auf die Straße. Sie behandeln ihn so wie jeden König oder Feldherrn.
Doch diese kommen auf stattlichen Pferden oder nach gewonnen Kriegen.
Jesus sitzt auf einem Esel und hat nichts mit Krieg am Hut.
An Palmsonntag feiern Christ*innen also einen alternativen Herrschertypus. Einen König, der ganz anders ist. Einen Feldherrn des Friedens.
Ich finde, das ist ein schöner Feiertag. Mir tut er gut in einer Zeit, in der mächtige Männer und Frauen sich huldigen lassen dafür, dass sie die Welt mit Hass, Krieg und Leid überziehen.
Jesus war anders. Er bückt sich hinab zu denen am Wegesrand. Er lässt sich vom Leid der Menschen berühren und berührt sie. Er heilt Menschen, statt sie zu verletzten. Er setzt sich aus. Er bringt Liebe statt Hass. Er durchbricht die Spirale der Gewalt.
Nicht alle verstehen ihn. Die Mächtigen fühlen sich von ihm bedroht und töten ihn sogar.
An Karfreitag stirbt er am Kreuz. Mit einer Dornenkrone statt einer goldenen Krone. Verspottet statt verehrt.
Für Christ*innen ist er dennoch ein König. Er zeigte, was Liebe vermag und wie eine andere Welt aussehen könnte.
Jesus ist ein Gegenentwurf zu den üblichen Machthaber*innen.
Auch heute kann ich mich entscheiden. Glaube ich an eine liebevolle Gemeinschaft? Oder glaube ich, dass Hass und Gewalt regieren sollen?
Palmsonntag erinnert daran: Herrschaft muss nicht unbarmherzig, totalitär, blutig sein. Und: ich habe die Wahl.