Zwischenruf - Dr. Christoph Kohl:Stille tut gut

Halten die Jugendlichen das aus? 30 Minuten lang still dasitzen!? Ich war gespannt. Ich hatte wieder zu einem „Gottesdienst im Dom – mal anders“ eingeladen Sein Hauptteil bestand darin, dass die Gottesdienstteilnehmer sich in die hintersten Bänke des Doms setzen und in Stille den abendlichen Dom einfach auf sich wirken lassen. Kurz vor Beginn sind noch sieben Jugendliche aufgetaucht, die mitmachen wollten. Ich habe mich natürlich gefreut, dass sie kamen, trotzdem habe ich ein wenig die Luft angehalten, ob das gut geht mit 30 Minuten Stille.
Ja, es ging gut. Mehr noch: Nachdem der Gottesdienst zu Ende war, haben ausgerechnet die Jugendlichen gesagt: „Das war toll, aber bitte das nächste Mal etwas länger, besser eine ¾ Stunde lang.“ Da war ich platt. Und ich war froh, dass auch die jungen Menschen die Kraft der Stille gespürt haben.
Stille ist ein Freiraum. Sie ist wie eine große Pause, in der alle Beschallung und Eindrücke von außen abgestellt sind. Das bietet die Chance, mal rauszukommen aus allem Betrieb und Machen, Abstand dazu zu gewinnen. Stille kann den Zugang zum eigenen Inneren öffnen. Dann kann in mir nachschwingen, was ich erlebt habe und was mich beschäftigt. So kommt das Herz zur Ruhe. Und wenn ich in innerer Stille bin, dann werde ich auch wieder offen für Neues, dann kann ich besser mit dem umgehen, was konkret auf mich zukommt.
Eine Frau, die schon mehr als 20 Jahre als Einsiedlerin lebt, hat die Erfahrung gemacht: „Stille öffnet die Tür zum innersten Raum.“ Zu dem Raum, in dem ich ganz zu mir kommen kann – und in dem auch Gott gegenwärtig ist.
Stille tut einfach gut.