Zwischenruf - Dr.in Martina Fries:Unkraut

Unkraut ist laut wikipedia „eine abwertende, nichtwissenschaftliche Sammelbezeichnung für Pflanzen der spontanen ‚Begleitvegetation‘ in Kulturpflanzenbeständen, Grünland oder Gärten, die nicht vom Menschen angebaut wurden.“
Ob etwas als Unkraut angesehen und behandelt wird oder nicht ist also davon abhängig, ob es vom Menschen gewünscht ist oder nicht.
Welch einseitige Sichtweise der Natur.
Das, was Unkraut genannt wird, weil es unerwünscht ist, ist doch sehr wichtig. Sogenanntes Unkraut bietet Lebensraum für Insekten und dient als Nahrung. Die Raupen des Tagpfauenauges zum Beispiel leben fast ausschließlich von Brennnesseln. Spitzwegerich hat heilende Kräfte. Jedes Kraut hat seine Bedeutung.
Der heutige Welttag des Unkrautes erinnert daran: Unkraut ist mehr als das, was eingeschränkte Sichtweisen, was Menschen ihm zuschreiben.
Auch, wenn der Liebhaber eines englischen Rasens Löwenzahn als Unkraut bezeichnet und bekämpft, so hat der Löwenzahn an sich doch einen Wert.
Dieses Beurteilungsmuster, diese Sicht der Welt gibt es leider nicht nur bezogen auf die Natur. Immer gibt es Menschen, die ihre Bedürfnisse, ihr Urteil zum Maß für andere und anderes machen. So werden bestimmten Menschengruppen die Daseinsberechtigung abgesprochen. Tiere getötet. Länder angegriffen und erobert.
Das vermeintliche Unkraut kann uns daran erinnern, dass es immer auf die Perspektive ankommt. Dass nichts und niemand schlecht ist. Dass alles und alle einen Wert haben.
Und: Dass es auf die Worte ankommt. Dass Begriffe Wirklichkeit schaffen.