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Lebenszeichen - Dr.in Martina Fries:Valentinstag

Der Valentinstag erinnert daran, dass Haltungen, Worte und Taten untrennbar miteinander verbunden sind.
Man sieht kleine grüne Pflanzen, die gerade beginnen zu wachsen
Datum:
14. Feb. 2026
Von:
Dr.in Martina Fries

„Nur für Liebesbriefe“. Das steht immer mal wieder auf einem öffentlichen Briefkasten. Vermehrt kurz vorm Valentinstag.
Valentinstag ist heute. Heute bekommt die Liebe besondere Aufmerksamkeit. Karten, Pralinen, Blumen, ein gemeinsames Abendessen – besondere Gesten sollen die Liebe deutlich machen. Der Liebe folgen heute besondere Handlungen und Worte.
Damit erinnert der Valentinstag genau daran: Haltungen, Worte und Taten sind untrennbar miteinander verbunden. 
Wenn ich jemanden liebe, dann versuche ich, es ihm mit Worten und Taten zu zeigen – nicht nur am Valentinstag. Wenn ich geliebt werde, liebevoll behandelt werde, dann verändert das auch meine Haltung – zu mir und anderen. Und dann gehe ich auch liebevoller mit mir und anderen um.
Dieser Zusammenhang von Haltungen, Handlungen und Worten funktioniert leider nicht nur bei der Liebe.
Der Prophet Hosea im Alten Testament beschreibt das so: „Wer Wind sät, wird Sturm ernten.“ 
Wie gut das funktioniert mit dem Wind und dem Sturm, das ist gegenwärtig in Deutschland und weltweit sehr gut zu beobachten. Da säen die Mächtigen und die, die gerne mächtig wären, eifrig Neid, Missgunst, Feindseligkeit, Abwertung, Rassismus, Antisemitismus, Hass und noch mehr Menschenfeindliches. Und die Saat geht auf. Bezogen auf diese populistische Rede und ihre Folgen würde Hosea heute vielleicht sagen: „Wer Hass sät, wird Gewalt ernten.“ 
Haltungen, Worte und Taten sind untrennbar miteinander verbunden. Populist*innen nutzen diesen Zusammenhang geschickt aus. Die Grenzen des Sagbaren werden immer mehr verschoben. Mehr Diskriminierung. Mehr Rassismus. Mehr Klassismus. Mehr Hass. Worte verändern Haltungen. Und führen zu Taten.  
Im Internet nennt man solche Worte Hate Speech - Hassrede. Im Internet gibt es viel Hassrede. Fast jede zweite Person wurde online schon einmal beleidigt. Besonders häufig betroffen sind junge Frauen, Menschen mit sichtbarem Migrationshintergrund und Personen mit homosexueller oder bisexueller Orientierung. Die halten sich dann anschließend lieber mit ihren Worten zurück. Das Ergebnis: es gibt immer mehr Hate Speech und weniger Love Speech. Ein wertschätzender Umgang miteinander, liebevolle Worte, sachliche Diskussionen – sie verschwinden im Internet und in der Öffentlichkeit immer mehr. Es entsteht der Eindruck, dem ganzen Hass hilflos ausgeliefert zu sein.
Auch wenn der Valentinstag ein sehr persönlicher Tag ist, so hat er doch auch eine gesellschaftliche Bedeutung. Er macht deutlich: Die innere Haltung führt zu Worten und Taten. Und umgekehrt: Worte und Taten verändern die innere Haltung.
Die Botschaft des Valentinstages ist dabei klar: Mehr Liebe.
Die Grundlage: eine liebevolle Haltung. Und eigentlich ist die ganz einfach. Denn sie ergibt sich aus liebevollen Worten und Handlungen.
Andere anlächeln. Danke sagen. Eine liebe Nachricht verschicken. Ein Kompliment machen.  
Haltungen, Worte und Taten bedingen einander. Und schaffen Stimmung. Zuhause genauso wie in der Gesellschaft. 
Am Valentinstag haben wir das im Blick. Da ist es selbstverständlich, sich um eine liebevolle Atmosphäre zu kümmern. Der Haltung der Liebe Worte und Handlungen folgen zu lassen.
Ich wünsche mir das jeden Tag, überall und für jede und jeden. Nur Liebesbriefe, nur liebe Worte, nur sachliche Kritik. Denn „Wer Zuneigung, Wertschätzung, Akzeptanz sät, wird Liebe ernten.“ – würde Hosea vielleicht sagen.
Und, nein. Das ist nicht naiv. Warum soll das beim Hass funktionieren und bei der Liebe nicht?