Lebenszeichen - Marliese Klees:Afrika in meiner Küche

Kurz nach Neujahr ist Afrika in meiner Küche. Na ja, so groß ist die Küche natürlich nicht, dass ganz Afrika da rein passen würde, aber irgendwie schon.
Ein Bekannter, dessen Interesse und Beruf als Referent für weltkirchliche Fragen sich auch auf Afrika bezieht, hat nach einem Besuch der Völklinger Ausstellung „The true size of Africa“ einen besonderen Afrika-Kalender übersetzt und aktualisiert.
Die erste Auflage dieses Kalenders ist 1985 entstanden. Damals berichten zwei italienische Missionare über die Arbeit ihres Ordens in Afrika. Sie stellen immer wieder fest, dass Menschen aus Afrika zwar über die ganze Welt verteilt leben, aber dass der Kontinent und seine Geschichte gut unbekannt sind. Deshalb verfassen sie ein sog. Memorial, eine bunt gemischte Auflistung von Personen und Ereignissen aus der Geschichte Afrikas in Form eines Kalenders. Sie beabsichtigen, so vom afrikanischen Kontinent zu erzählen, von religiösen und säkularen Ereignissen und Prägungen, dass die Menschen dort aus ihrer bunten Geschichte Kraft schöpfen können. Es geht ihnen aber auch darum, über Afrika hinaus allen Leserinnen und Lesern zu zeigen, wie sehr dieser Kontinent und seine Menschen die Weltgemeinschaft bereichern. Sie wissen und erleben immer wieder, dass „Afrika mit seiner ethnischen Vielfalt hat vieles zu lehren, zu feiern, zu erinnern.“
1995 überarbeitet ein anderer Missionar diesen Kalender und übersetzt ihn ins Englische, um ihn weiter verbreiten zu können. Dazu schreibt er: „… dass trotz aller Dunkelheiten, die den Kontinent überschatten, in Afrika weiter gesungen und getanzt wird, weil es das Leben ist, das gewinnt …trotz allem.“
Und jetzt liegt dieser Kalender also in wieder überarbeiteter und deutscher Fassung vor. Er listet so viele Menschen und Ereignisse aus Afrika und der sogenannten Afrika-Diaspora auf, dass gefühlt ‚ganz Afrika’ darin vorkommt. Manchmal gibt es auch Stoff zum Nachdenken: ein kleiner poetischer Text oder ein Auszug aus einem Buch oder einer bedeutenden Rede. Für heute z.B., den 17.Januar, verweist der Kalender auf Mönchsväter aus der ägyptischen Wüste des 4. Jh. und zitiert einen mit den Worten: „Das Besondere im Alltäglichen zu sehen, das ist die Kunst.“(Antonius der Große). Am 31. März ist über ein Ereignis aus dem Jahr 1907 zu lesen: „Die deutsche Kolonialmacht in Südwestafrika erklärt die Niederschlagung des Aufstandes der Herero und Nama offiziell für beendet“. Am 8. November heißt es: „2011: Der … Dokumentarfilm „Kinshasa Symphony“ erhält den deutschen Filmpreis…“. Dieser Film erzählt von Amateurmusikern im Kongo, die sich u.a. mit der Neunten Sinfonie von Beethoven auf ein Konzert aus Anlass ihres Nationalfeiertages vorbereiten. Einer der Musiker meint, in dieser eigentlich fremden europäischen Sinfonie sei viel vom afrikanischen Rhythmus.
Ob Gospel oder Rap, Jazz oder Blues, Rock oder Pop oder eben Beethovens 9.Sinfonie - Musik verbindet. Der afroamerikanische Jazzers John Coltrane, der unter dem 27. Juli in dem Kalender erwähnt wird, beschreibt das so: „ich möchte den Menschen das Göttliche in einer musikalischen Sprache nahebringen, die über Worte hinausgeht. Ich möchte zu ihren Seelen sprechen.“ Musik - das ist die Art, wie Menschen sich weltweit und über Raum und Zeit hinweg miteinander verbinden können, Afrika mit meiner Küche und der Himmel mit der Erde.