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Lebenszeichen - Corinna Achtermann:Cordula – Mutig sein trotz Angst

Die heilige Cordula ist eine überraschend lebensnahe Heilige.
Man sieht kleine grüne Pflanzen, die gerade beginnen zu wachsen
Datum:
24. Okt. 2026
Von:
Corinna Achtermann

Meine Namenspatronin ist die heilige Cordula. Und wenn Sie sich gerade fragen: Wer ist das denn? Dann sind Sie damit bestimmt nicht allein. Denn: Sie gehört nicht gerade zu den bekannten Heiligen. Außer im Kölner Raum. Und mal ganz im Ernst. Wäre sie nicht meine Namenspatronin, ich glaube ich könnte auch nichts über sie berichten. Aber das ist schade. Cordulas Geschichte ist es Wert, bekannt zu sein. 

Sie beginnt nicht mit großer Stärke. Mit außergewöhnlichem Heldenmut. Sie beginnt mit Angst.  

Cordula lebte – so die Überlieferung - im 4. Jahrhundert. Sie war eine Gefährtin der heiligen Ursula.  

Ursula und ihre Gefährtinnen waren auf Wallfahrt nach Rom. Ihr Weg ging wohl über die Nordsee und den Rhein durch Köln und Basel. Bis zuletzt nach Rom. Auf der Rückreise wurde die Gruppe in Köln von den Hunnen überfallen. Alle außer Cordula wurden getötet. Denn: Cordula versteckte sich. Während die anderen offen für ihren Glauben eintraten, ihn bezeugten, und letztlich dafür starben, zog sie sich zurück. Sie suchte Schutz. Sie hatte Angst. Das ist zutiefst menschlich. Und ehrlicherweise absolut nachvollziehbar. 

Aber gerade das macht sie für mich interessant. Viele Heilige erscheinen oft unerreichbar. Cordula dagegen zeigt Schwäche. Sie hat Angst. Todesangst. Und als Reaktion darauf zieht sie sich zurück. Sucht Schutz. Und sehr wahrscheinlich würde ich das genauso machen. Auch wenn ich, Gott sei Dank, noch nie in einer solchen Situation war. Aber Angst kenne auch ich. Und sie zeigt sich sehr unterschiedlich. 

In manchen Situationen würde ich gerne etwas sagen und traue mich nicht. Ich habe Angst und schweige lieber. Ich würde gerne Haltung zeigen, halte mich aber zurück. Möchte widersprechen, wenn Menschen schlecht über andere reden. Bekomme aber keinen Ton heraus.  Aus Angst vor Streit bin ich wie gelähmt. 

Umso bemerkenswerter, wie die Geschichte von Cordula weitergeht. Sie bleibt nicht in ihrem Versteck. Irgendwann fasst sie sich ein Herz und kommt heraus. Obwohl sie weiß, dass sie das ihr Leben kosten wird. Sie kommt heraus, nicht, weil die Angst plötzlich weg ist. Sie verlässt ihr Versteck, weil sie spürt: Ich kann mich nicht dauerhaft verstecken. Ich kann nicht vor meinem Glauben davonlaufen. Ich kann mich nicht verleugnen. Meine Überzeugungen über Bord werfen.   

Sie steht ein für ihren Glauben. Sie zeigt Haltung. Und genau das ist es, was mich beeindruckt. Haltung zeigen und für Überzeugungen einstehen.  

Das wünsche ich mir auch in unserer Zeit: Menschen, die Haltung zeigen. 

Menschen, die Haltung zeigen, ohne laut zu sein. Menschen, die sich nicht von Angst bestimmen lassen. Die für andere einstehen, auch wenn es schwer ist. Die mutig widersprechen, wenn Würde missachtet wird. Die Hoffnung bewahren. Selbst dann, wenn alles hoffnungslos erscheint. 

Dabei geht es nicht um ein Martyrium. Das geht im Kleinen. Im Alltag. Ich kann bei mir selbst anfangen. In meinem Umfeld. Wenn jemand unfair behandelt wird. Wenn menschenfeindliche Parolen laut werden. Wenn ich für meinen Glauben einstehe.  

Da braucht es keine großen Heldentaten. Aber viele kleine Entscheidungen. Sie machen einen Unterschied. 

Wie bei Cordula eben. Auch sie hat keine großen Heldentaten vollbracht. Aber durch ihre Entscheidung, zu ihrem Glauben zu stehen, wurde sie zum Vorbild. Und später sogar zur Heiligen. Ihr Gedenktag ist am 22. Oktober. Ein Tag nach der heiligen Ursula. Weil sie sich einen Tag länger als Ursula und die anderen Gefährtinnen, vor den Hunnen versteckt hat. Einen Tag später das Martyrium erlitt. Für ihren Glauben starb. 

Die heilige Cordula ist für mich eine überraschend lebensnahe Heilige. Eine, die zeigt: Glauben bedeutet nicht: Keine Angst haben. Glauben bedeutet: Haltung zeigen. Trotz Angst. Und das gilt auch heute.