Zwischenruf - Marianna Barachino:Das geht unter die Haut

Ich lebe in zwei Welten: eine, in der Tattoos etwas ganz Normales sind. Und eine, in der Tattoos immer noch negativ konnotiert sind. So richtig bemerkt hab ich das, als mein erstes Tattoo gestochen wurde. Es war eine eher spontane Entscheidung, deswegen haben vielleicht einige Menschen es nicht kommen sehen.
Aber das Motiv hat mir einfach gefallen: ich konnte mich damit identifizieren und schaue es jeden Tag sehr gerne an. Das Symbol hat mich angesprochen und mich an viele Dinge erinnert, für die ich dankbar bin. Es ist eine Sonne, die auf einer Hand getragen wird: ein Symbol für Wärme, für Empathie. Meiner Oma hat man früher nachgesagt, dass sie ein sonniges Gemüt sei und Licht in jeden Raum brachte, den sie betrat. Ich hoffe, dass ein bisschen davon auch in mir steckt.
Ich hatte immer Angst, dass das Stechen zu sehr wehtut (ich bin auch eher schmerzempfindlich, muss ich wohl dazu sagen). Heute bin ich stolz, dass ich mich getraut habe und dass es ein sichtbares Zeichen auf meiner Haut gibt.
Denn es gibt ja auch die unsichtbaren Dinge, die mir unter die Haut gegangen sind: Gefühle, Erfahrungen, Glaubenssätze. Manche schön, manche schwierig. Aber alle gehören zu mir.
Und vielleicht ist das Tattoo deshalb so wichtig für mich: ein kleines Zeichen dafür, dass Licht und Wärme immer wieder durchbrechen können. Auch auf meiner Haut.