Zwischenruf - altfried g. rempe:Eigentlich ganz anders…

Es ist ja eigentlich ein einfaches Wort:
Eigentlich wollte ich jetzt gerade sagen…
Eigentlich ist das doch ganz einfach…
Solche Szenen kommen X-mal am Tag vor, im Selbst-Gespräch auch mal.
Was wollte ich eigentlich hier im Keller – also:
weswegen war ich runtergelaufen, bevor dies oder das mich abgelenkt hat?
Eigentlich, haben wir in der Gemeinde gedacht, ist das auch ein gutes Leitwort
für die vierzig Tage bis Ostern, für die Fastenzeit.
Immer wieder mal das eigene Leben anschauen und mich fragen:
Will ich so leben – oder muss ich das eigentliche Leben anderswo suchen.
Manchen mag da der witzig gemeinte Spruch einfallen:
Eigentlich bin ich ganz anders – aber leider komme ich nur so selten dazu.
So antwortet jemand gern auf den leichten Vorwurf, warum sie oder er
heute morgen so einsilbig ist, ohne Schwung und Lust auf den neuen Tag.
Eigentlich bin ich ja ganz anders;
eigentlich bin ich anders drauf, aber leider leider…
In der Bibel finden sich immer wieder mal Menschen,
die am eigentlichen Sinn für ihr Leben vorbeilaufen.
Jona zum Beispiel – der sollte als Prophet nach Ninive wandern
und da die Leute bekehren, weg von ihrem schlechten Leben. Eigentlich.
Aber der Typ flieht übers Meer, ertrinkt da fast
und wird von einem großen Fisch gerettet und an Land gespuckt.
Eigentlich sollte ich doch – und geht tatsächlich nach Ninive.
Kehrt um, sonst fährt die Stadt zur Hölle, ruft er – und zwar mit Erfolg.
Aber Jona ist sauer und hadert mit Gott:
Eigentlich sollte Ninive doch untergehn!?
Gottes Antwort ist ein anderes „Eigentlich“:
Kann ich denn so viele Menschen in den Untergang schicken –
Kinder Frauen Männer und all das Vieh?
Ich liebe sie doch – eigentlich – und sie sollen leben.
Eigentlich waren sie ganz anders – und mit Gott kommen sie jetzt dazu!
Eigentlich solltest du dich freuen!