Zwischenruf SR3 - Corinna Achtermann:Eine Kerze nach dem Kindergarten

Es sind oft nur fünf Minuten. Fünf Minuten Ruhe zwischen Arbeit, Kindergarten und Alltag. Fünf Minuten, auf die meine kleine Tochter nicht verzichten möchte. Denn bevor wir nach Hause gehen, müssen wir noch eine Kerze anzünden.
Es gibt Rituale, die ungeplant entstehen und dann ganz selbstverständlich zum Alltag gehören. Bei uns ist es der kurze Gang in die Kirche nach dem Kindergarten.
Der Tag war laut. Für meine Tochter mit all den Eindrücken im Kindergarten. Für mich nach der Arbeit mit ihren vielen Anforderungen. Bevor wir nach Hause gehen, machen wir deshalb noch kurz in der Kirche Halt.
Meine Tochter läuft da ganz selbstverständlich zur Marienfigur. „Hallo, Maria“, sagt sie manchmal. Danach schaut sie zu Jesus und begrüßt ihn auch. Dann zünden wir gemeinsam eine Kerze an. Oft sprechen wir gar nicht viele Worte. Die Kerze brennt einfach für das, was uns gerade bewegt. Für einen schönen Tag. Für einen lieben Menschen. Oder einfach nur so.
Mich berührt das, wie selbstverständlich Kinder ihren Glauben leben. Meine Tochter verlangt diesen Kirchenbesuch inzwischen regelrecht. Wenn ich einmal mit ihr direkt nach Hause gehen will, sagt sie gleich: „Noch eine Kerze anzünden.“
Vielleicht spürt sie etwas, das auch viele Erwachsene suchen: einen Ort zum Innehalten. Ein paar Minuten ohne Lärm, ohne Ablenkung.
Und dann gehen wir wieder nach Hause. Nicht viel später als sonst. Aber oft ein wenig ruhiger und leichter.