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Zwischenruf SR3 - Birgit Wenzl-Heil:Gut leben mit den Toten

Bereits im Hier und Jetzt darüber reden, wie man sich das eigene Begräbnis vorstellt.
Ein Kopfhörer liegt auf einem Buch, daneben steht eine Tasse mit Tee oder Kaffee
Datum:
18. Jan. 2026
Von:
Birgit Wenzl-Heil

„Meine Tante einfach in der Saar verstreuen? Eigentlich möchte ich das gar nicht. Ich hätte lieber einen Ort, wo ich hingehen kann, mit ihr reden, etwas pflanzen…“. So verschieden Menschen sind, so unterschiedlich sind ihre Bedürfnisse, wenn sie trauern. Und so unterschiedlich sind auch ihre Vorstellungen vom eigenen Ende und der Zeit danach: Verweht im Wind, verstreut im Garten oder im Wald, auf dem Friedhof begraben oder als Diamant oder in der Urne bei den Hinterbliebenen zu Hause. Das neue Bestattungsgesetz in Rheinland-Pfalz eröffnet jetzt alle diese Möglichkeiten. Das lässt Raum für mehr Individualität. Und kann deshalb vermehrt dazu führen, dass die Gefühle der Hinterbliebenen mit den Vorstellungen der inzwischen Verstorbenen nicht gut zusammenpassen. Die Nichte möchte gerne einen Ort besuchen, um zu Trauern und an die Tante zu denken. Die Tante hatte vielleicht mehr ein Bild von Freiheit und Weite für sich für die Zeit nach dem Tod vor Augen. Oder sie möchte einfach nicht zur Last fallen und bevorzugt deshalb am Ende den günstigeren Platz im Garten. Das neue Gesetz eröffnet viele Möglichkeiten, bringt aber auch noch viele Unklarheiten, wie sie am Ende umgesetzt werden können. Was ich aus dem Versuch im Nachbarbundesland mitnehme: Reden wir jetzt schon - über Sterben und Tod. Über das, was wir uns wünschen und das, was wir brauchen. Damit wir mit den Verstorbenen nach ihrem Tod einmal besser leben können.