Zwischenruf - Christian Heinz:„Herr Jesus Christus, heute stinkst du aber wieder!“

„Herr Jesus Christus, heute stinkst du aber wieder!“, dass er ab und zu so bete, erzählte mir vor Jahren ein alter Jesuitenpater. Immer wieder begegne er Menschen, vor deren Äußeren, er sich ekele. Der alte Pater verriet mir: Vielleicht stimmt es ja, dass Jesus sich gerade in den geringsten Schwestern und Brüdern zeigt, wie er sagt. „Herr Jesus Christus, heute stinkst du aber wieder.“
An dieses Gebet musste ich denken, als ich am Heiligen Abend spät noch in die Christmette, die die ARD aus Stuttgart übertragen hat, schaute. Eigentlich wollte ich nur mal schauen, wie die Kollegin und der Kollege aus Stuttgart den Weihnachtsgottesdienst feiern… Aber dann war ich, wie viele, schockiert: In der Kirche war keine romantische Weihnachtskrippe aufgebaut. Stattdessen lag ein echter lebender Mensch, nackt in einer Art Schleimkostüm auf Stroh.
„Herr Jesus, heute bist du aber wieder ziemlich eklig.“ Denn ist das nicht der wirkliche Skandal von Weihnachten: Gott wird Mensch, so richtig, auch mit dem, was mich im ersten Blick ekeln lässt.
Viele sich selbst als „fromm“ bezeichnende Christinnen und Christen haben auf die Krippendarstellung reagiert, zum Teil mit verletzenden Kommentaren und sogar mit Hass. Ich jedenfalls bin, je länger ich darüber nachdenke, dankbar über die Darstellung.
Sie hat mir eine Seite Gottes gezeigt, die ich sonst gerne übersehe, weil ich wegsehe.
Und sie hat mich an etwas erinnert, was ich längst vergessen habe: Gott begegnet mir auch in dem, was mir auf den ersten Blick nicht gefällt. Und: Auch in solchen Momenten kann ich zu ihm beten, ihn ansprechen, vielleicht auch skandalös: “Herr Jesus Christus, auch in dem, was mich ekelt, kannst du mir begegnen.“