Zwischenruf - Luisa Maurer:Karla

Wie kann man über das Unsagbare sprechen? Wie das Unzeigbare zeigen? Im Oktober kam ein Film in die Kinos, der genau das tut. „Karla“ erzählt die Geschichte eines 12-jährigen Mädchens in den 60er Jahren. Karla wird in den eigenen vier Wänden sexualisierte Gewalt angetan. Und zwar von ihrem eigenen Vater. Karla ist unfassbar mutig und wendet sich an die Polizei. Sie verklagt ihren Vater. In einem Richter findet sie eine Person, die ihr glaubt. Und auch, wenn es ausweglos und extrem unwahrscheinlich scheint, gewinnt sie den Prozess am Ende.
Ich habe mir den Film vor ein paar Wochen angeschaut und war bei einer Fragerunde mit Regisseurin und Drehbuchautorin dabei. Karlas Geschichte ist wahr. Und die Filmemacherinnen haben eng mit ihr zusammengearbeitet, um die auf die Leinwand zu bringen. Sie wurde gefragt, warum sie all das auf sich genommen hat, was es ihr bringt. Sie sagte: Ich wollte meine Würde zurück. Ich wollte, dass mir geglaubt wird. Als die Drehbuchautorin davon erzählt, hat sie Tränen in den Augen. Ganz ehrlich: Ich auch. Und die Geschichte geht mir noch lange nach.
Der Film spricht auf eine anrührende und besondere Art über das Unsagbare und zeigt das Unzeigbare. Vor allem aber gibt er einem Kind eine Stimme. Er rüttelt wach. Und Karlas Geschichte zeigt mir: Es lohnt sich, hinzusehen. Und wir dürfen das niemals vergessen und niemals aufhören uns dafür einzusetzen – in Familien, Sportvereinen und in der Kirche: Jeder Mensch, jedes Kind hat Würde.