Zwischenruf - Michael Kinnen:Marmeladenglasmomente

„Vielen Dank für den Marmeladenglasmoment!“. Das hat mir neulich jemand in einer E-Mail geschrieben. Vielleicht fehlte es mir an Allgemeinwissen, aber ich konnte ehrlich gesagt zunächst gar nichts damit anfangen. Wem hab ich denn ein Marmeladenglas geschenkt? Und wieso bedankt sich gerade diese Person, die mir die E-Mail geschrieben hat, für einen „Marmeladenglasmoment“? Ich geb’s zu: Ich hab’s gegoogelt und dann gefunden, was es bedeutet: „Ein Marmeladenglasmoment ist ein besonders schöner Augenblick, den man am liebsten festhalten und für schlechte Tage aufbewahren möchte.“ Das Wort stammt wohl aus einem Kinderbuch. „Marmeladenglasmoment“. Das kann vieles sein: Eine überraschende Begegnung, ein gutes Gespräch, ein unverhofftes Lob, ein Sonnenuntergang am See: Marmeladenglasmomente. Gerade jetzt im Herbst, wenn im Garten die Ernte wartet, passt das ja: Solche Marmeladenglasmomente im Leben kann man nämlich auch wie Ernte einfahren: auf ein Zettelchen schreiben und wirklich in einem leeren Marmeladenglas aufbewahren. Wie man ein volles Marmeladenglas aufmacht, einem der gute Geruch entgegenkommt und man die süße Marmelade genießt, so kann ein „Marmeladenglasmoment“ die schöne Erinnerung lebendig werden lassen: eine wahre Schatztruhe fürs Leben. Die wird mit der Zeit immer größer - und vielleicht auch die Dankbarkeit dafür. Es geht ja nicht darum, das Schlechte, Traurige, Ärgerliche, Missratene zu verdrängen. Sondern sich einfach daran zu erinnern, wieviel Schönes es eben auch gibt. Es gibt sie, die Marmeladenglasmomente im Leben: mit Demut und Dankbarkeit. Einfach himmlisch! - Und: Gott sei Dank!