Zwischenruf - Matthias Scheer:Mehr Grund zu feiern als wir denken

Mehr zahlen, weniger bekommen. Das höre und lese ich momentan ständig in den Debatten um leere Kassen. Und es passt zu dem Gefühl, das viele beim Blick auf Steuern, Abgaben und Versicherungen haben: Die Beiträge steigen, aber wenn man dann wirklich mal Unterstützung braucht, fängt der Ärger oft erst an. Papierkram, Kleingedrucktes, zähe Verhandlungen. Es steht mir doch zu!
Da wundert es mich nicht, dass viele Menschen am liebsten immer auf ihre Kosten kommen wollen. Heute wird einem schließlich nichts mehr geschenkt. Schlimmer noch: Man gilt ja fast schon als dumm, wenn man am Ende nicht irgendwie profitiert.
Dabei wird schnell vergessen, worum es im Kern geht. Schon in der Schule hab ich über Versicherungen gelernt: Viele zahlen ein, damit denjenigen, die ein schwerer Schicksalsschlag trifft, geholfen werden kann. Wer am Ende nichts herausbekommt, hat eigentlich einen Grund zum Feiern! Denn das bedeutet doch: Ich bin gesund und versorgt.
Diese menschliche Solidarität ist keine neue Erfindung. Schon Jesus bricht die harte Logik von Leistung und Prämie auf. Er erzählt von einem Gutsbesitzer, der am Abend all seinen Arbeitern den gleichen Lohn zahlt – völlig unabhängig von den geleisteten Stunden. Für unsere Arbeitswelt mit harten Tarifverhandlungen wäre das grob unfair. Aber Jesus gründet keine Gewerkschaft. Ihm geht es um etwas Grundsätzlicheres: um das Recht auf Leben. Der Lohn reichte damals genau, um für einen Tag zu überleben. Dem Chef ging es schlicht darum, dass am Ende des Tages keine Familie hungern muss.
Es tut gut, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die sich im Ernstfall absichert. Gemeinsam und in Frieden leben zu können, ist eben nicht umsonst zu haben – es verlangt allen etwas ab. Aber diese Verantwortung trage ich gerne. Denn am Ende profitieren alle davon.