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Zwischenruf SR3 - Christian Schöneberger:Über den Wolken

Im Alltäglichen kann man Himmlisches entdecken.
Ein Kopfhörer liegt auf einem Buch, daneben steht eine Tasse mit Tee oder Kaffee
Datum:
1. März 2026
Von:
Christian Schöneberger

Das gesungene Reimpaar „Jacke/Luftaufsichtsbaracke“ ist so wundervoll einzigartig, dass Reinhard Mey mit seinem Fast-Volkslied „Über den Wolken“ mich immer wieder fasziniert. Ich staune, wie er es schafft, einen Flugplatz zu einem verzauberten Ort zu machen. Benzin in den Pfützen werden nicht Umweltsünden, sondern eine irgendwie schillernde Ablenkung vom Irdischen. Und doch steht er nur da und wäre gern mitgeflogen – es bleibt ein Wunsch, wird kein Wunder, obwohl es eines ist. Reinhard Mey beschreibt die Sehnsucht nach dem Himmel, die Sehnsucht nach einem Ort ohne Ängste ohne Sorgen.
In den katholischen Gottesdiensten wird heute vorgelesen, wie Petrus und seine Freunde diesen Ort ohne Ängste und ohne Sorgen für sich erleben dürfen. Für einen Moment. Auf dem Berg Tabor – so erzählt es die Bibel – begegnen sie Jesus, Moses und dem Propheten Elija. Und diese Begegnung lässt sie grenzenlose Freiheit erleben. Petrus will genau dieses Wunder festhalten. Drei Hütten will er bauen. An diesem Ort sollen die drei bleiben. Die Erfahrung der irgendwie grenzenlosen Geborgenheit mit den dreien soll bleiben. Jesus zeigt ihm einen anderen Weg: nimm diese gute Erfahrung mit in dein Leben. Nimm die Sehnsucht mit in deinen Alltag. Jesus schickt Petrus zurück ins Tal seines Alltags mit der Perspektive dort seinem Traum einen Platz zu geben. 
Für mich ist es, als macht Reinhard Meys Lied genau dort weiter: er stellt uns in seinem Lied in die harte Wirklichkeit des Nieselregens. Wir stehen mit ihm mit beiden Füßen auf der Erde des Asphalts. Und er lädt uns ein, die guten Dinge des Lebens genau dort zu genießen. Gerade in den Banalitäten, im gewöhnlichen und doch so herrlichen Duft von Kaffee zum Beispiel die Erfahrung von Himmlischen zu entdecken.  Ja, da ist die Sehnsucht lebendig: es gibt mehr als nassen Asphalt. Wunderbares, Himmlisches kann ich in meinem Alltäglichen entdecken und bin über den Wolken und irgendwie grenzenlos!