Zwischenruf - Wolfgang Drießen:Angekommen

Als ich Kind war, wollte ich – so wie viele Jungs - Lokomotivführer werden. Zu interessant und imponierend waren die rauchenden Dampfloks, die bei uns direkt hinter dem Haus am Bahnhof hielten. Dann wollte ich mal unser Briefträger sein, der kam an jedes Haus und trug eine Uniform. Oder mein Vater und mein Patenonkel, die waren Polizisten, das hat mich schwer beeindruckt. Später wollte ich so singen wie John Lennon, Gitarre spielen wie Carlos Santana. Und aussehen wollte ich am liebsten so wie David Cassidy von der Partridge Family im Fernsehen – die Älteren erinnern sich. Dann hätte ich vermutlich mehr Erfolg bei den Mädchen gehabt. Mit meinem Äußeren – lang, dünn und Brille – war das nicht so der Brüller. Alles Mögliche wollte ich sein, in viele Richtungen habe ich geschaut – nur wo ich wirklich hinwollte, das wusste ich lange nicht. Wenn ich so zurückschaue, hat es ziemlich lange gedauert, bis ich bei mir selbst angekommen bin. Das hat viel mit Familie zu tun, mit der Liebe zu den Kindern und jetzt auch zu den Enkeln. Das hat zu tun mit Anerkennung im Beruf, mit der Liebe zu dem, was ich mir als Beruf ausgesucht habe. Das hat damit zu tun, dass Menschen mich mögen, einfach so wie ich bin. Und an dieser Stelle kommt für mich auch Gott ins Spiel, denn der nimmt mich auch so, wie ich bin. Dafür bin ich sehr dankbar. Erst vor kurzem, bei der Beerdigung eines Verwandten, da hat er mich wieder angerührt. Als der Pfarrer den bekannten Vers des Propheten Jesaja zitiert hat: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich ausgelöst, / ich habe dich beim Namen gerufen, du gehörst mir!“ (Jes 43,1). Und zwar genau so wie ich bin, nicht mehr und nicht weniger. Und das ist gut so.