Zwischenruf SR3 - Lisa Olschewski:Der Dazwischen-Monat

November. Der Dazwischen-Monat. Wahrscheinlich direkt nach dem Januar der unbeliebteste Monat. Und das aus einem Grund. Er ist der Dazwischen-Monat. Der goldene Oktober ist vorbei, der Dezember mit dem Licht noch nicht da. Alles grau, alles dazwischen. Grau ist schwer auszuhalten. Dann lieber schwarz oder weiß. Da weiß man, was man hat. Grau ist anstrengend. Dazwischen ist anstrengend. Ich will Klarheit.
Das Dazwischen liegt mir nicht. Ich will einordnen und sortieren. Und nun ist November. Der Dazwischen-Monat. Soll ich mich auf Dezember freuen oder den vergangenen Oktober betrauern. Wohl irgendetwas dazwischen.
Michelle Obama erzählte in einem Interview, dass sie ihren Töchtern einmal sagte, dass die meiste Zeit des Lebens einfach das gewöhnliche Leben sei und dass sie versuchen sollten, in genau diesem Dazwischen glücklich zu sein. Wie oft fiebere ich selbst den Highlights der Woche oder des Jahres entgegen. Dabei ist die meiste Zeit des Lebens einfach die Zeit dazwischen. Wenn es nicht aufregend ist, wenn ich nicht gewinne, wenn ich auch nicht verliere, wenn keine Party und kein Urlaub ist.
November. Der Dazwischen-Monat. Im Dazwischen, in der Langeweile des Novembers erahne ich, dass das Geheimnis der Zufriedenheit im Dazwischen liegen könnte.