Zwischenruf - Thorsten Hoffmann:Der Mensch braucht Pausen

Die Fußball-WM hat in den vergangenen Wochen schon einige Aufreger gebracht. Aber ein Thema wird besonders heiß diskutiert: Die „Hydration Break“. Eine Trinkpause pro Halbzeit. Nach etwas mehr als 20 Minuten pfeift der Schiedsrichter erstmals ab. Die Spieler gehen vom Platz und gönnen sich drei Minuten Erfrischung. Das gleiche in Halbzeit zwei.
Der FIFA geht es wohl nicht nur um das Wohl der Spieler. Die Werbeeinnahmen sind mindestens genauso wichtig. Und ob die Pause dem Spiel gut tut oder es stört? Da scheiden sich die Geister.
Ich bin mir selbst nicht sicher, wie ich diese „Hydration Break“ finden soll. Aber eines zeigt sie mir: Auch Profisportler sind keine Maschinen. Auch ein gut trainierter Körper braucht Pausen, um dauerhaft leistungsfähig zu sein.
Für mich ist das – bei aller Kritik – ein gutes Signal. Es geht nicht immer nur um höher, schneller, weiter. Es geht auch um den Menschen, der hinter dem bejubelten Sportler steht. Es ist ein Mensch, der Fehler macht und Schwächen hat. Ein Mensch, der oft übermenschlich wirkt, und doch nicht auf Knopfdruck funktioniert. Ein Mensch, der Pausen braucht und Regenation.
So ein Verständnis eines Spitzensportlers ist entlastend. Denn jeder Mensch hat Grenzen. Auch ich kann nicht immer nur funktionieren.
Das Gegenteil war kurz vor der WM in den USA zu erleben. „Enhanced Games“ hieß das Ganze. Wettkämpfe, bei denen Doping ausdrücklich erlaubt ist, um die Grenzen des Leistbaren auszutesten. Gesundheitliche Folgen für die Sportler? Egal! Fehler und Schwächen? Nicht vorgesehen! Und Pausen? Natürlich auch nicht.
Soll so der Mensch der Zukunft aussehen?
Da bin ich mir plötzlich sicher: Ich finde sie gut, die Trinkpausen bei der WM!