Zwischenruf - Martin Wolf:Der menschliche Faktor

Mein Bekannter ist echter FCK-Fan und wenn‘s eben geht beim Heimspiel auf dem Kaiserslauterer Betzenberg dabei. Deshalb regt er sich auf, wenn der Schiri eine umstrittene Entscheidung trifft. Wenn ein Elfmeter verweigert wird, obwohl er ein Foul gesehen hat. Oder ein Tor gegeben wird, obwohl es doch offenbar Abseits war. Gut möglich, dass er sich irgendwann nicht mehr aufregen muss. Weil hochpräzise Kameras alles zentimetergenau erfassen. Und weil die Technik Entscheidungen trifft, über die man gar nicht mehr diskutieren kann. All das gibt’s versuchsweise schon. Vielleicht wird ja irgendwann sogar der Schiri überflüssig.
Auch wenn ich kein riesiger Fußballfan bin – ich hoffe nicht. Denn für mich ist das ein bisschen wie bei der Musik. Wahrscheinlich kann ein Computer auch die schwierigsten Klaviersonaten von Beethoven perfekt und fehlerfrei spielen. Aber würde ich mich noch ernsthaft in ein Konzert setzen, um mir das anzuhören? Bestimmt nicht. Ich will mit dem Pianisten mitfühlen, mich von seiner Interpretation anrühren lassen. Will, dass da der Funke überspringt von ihm zu mir. Von Mensch zu Mensch. Für tolle Musik braucht‘s viel Übung und Können, und vor allem ganz viel Emotion. So wie beim Fußball. Und deswegen will auch mein fußballbegeisterter Bekannter nicht auf den Schiri verzichten. Auch wenn er sich manchmal über ihn ärgert.