Zwischenruf SR 3- Marianna Barachino:Fokus trainieren

Ich mache gerade eine Fortbildung zu agilen Arbeitsmethoden.
Agil sein – das hat mich sofort angesprochen. Ich dachte: flexibel bin ich, veränderungsbereit auch. Und jung und dynamisch sowieso, das wird eine easy Fortbildung.
Wie überheblich von mir! Ja, ich kann ganz gut mehrere Bälle gleichzeitig jonglieren. Aber nur so lange, bis es zu viel wird. Dann bin ich plötzlich komplett überfordert. Am ersten Fortbildungstag ging es direkt darum, dass agile Arbeitsweisen deswegen relevanter werden, weil die Welt zunehmend komplexer und unsicherer wird. Irgendwo hatte ich vor kurzem einen Post gesehen, der sagte: im Mittelalter haben Menschen in ihrem gesamten Leben in etwa so viele Informationen aufgenommen, wie wir an einem Tag. Kein Wunder also, dass wir uns oft verzetteln.
Eine Methode aus der Fortbildung: Fokus trainieren.
Ich stelle mir einen Timer – sechs Minuten. In dieser Zeit mache ich genau eine Sache. Und nur diese. Handy blinkt? Umdrehen. Baulärm draußen? Ohropax rein.
Und erstaunlich: Es funktioniert.
Ich werde ruhiger. Klarer. Und das gilt nicht nur für die Arbeit. Auch im Leben hilft es: Nicht alles gleichzeitig. Nicht alles perfekt. Ich schenke meine Aufmerksamkeit dem, was gerade dran ist.
Und vielleicht gilt das auch für meinen Glauben:
Nicht tausend Gedanken – sondern einfach ein Moment.
Ein kurzer Atemzug. Ein leiser Gedanke.