Zwischenruf - Martin Wolf:Helferlein

Seit ein paar Wochen habe ich ein neues Auto. Es fährt elektrisch und ist auch sonst voll mit digitalen Helferlein. Die passen etwa auf, ob ich genug Sicherheitsabstand habe und protestieren, wenn ich zu schnell bin oder die Fahrspur nicht einhalte.
Manchmal denke ich da an mein erstes eigenes Auto. Ein alter, gebrauchter VW-Käfer war das, der noch nichts von alldem konnte. Bei dem am Armaturenbrett aber eine Christophorus-Plakette klebte, als ich ihn kaufte. Eine kleine Metallplatte, auf der ein Mann zu sehen war, der das Christuskind durch ein Gewässer trägt. Es ist die Legende vom Hl. Christophorus, dem Schutzpatron für alle, die auf Reisen sind. Damals fand man ihn noch öfter auf Armaturenbrettern. Heute sehe ich ihn kaum noch. Vielleicht haben die unzähligen digitalen Helfer, die unsern Alltag bevölkern, die Schutzheiligen ja irgendwie abgelöst. Wer betet noch zu Sankt Florian, der angeblich vor Bränden schützt? Schließlich gibt’s längst Feuer- und Rauchmelder. Oder wer schickt noch ein Stoßgebet zum Heiligen Valentin, dem Patron aller Verliebten, wenn es diverse Datingapps gibt.
Ein Garant dafür, dass alles rund läuft, waren die Heiligen sowieso nie. Die Christophorus-Plakette im Auto hat Unfälle nicht verhindern können. Aber all die digitalen Assistenzsysteme heute sind auch keine Garantie, dass nicht doch was passiert. Und deshalb steige ich vor einer Fahrt noch heute oft ins Auto ein mit einer kurzen, stillen Bitte, dass alles gut gehen möge. Eine Garantie dafür gibt’s nicht. Aber zu wissen, dass da vielleicht noch jemand ist, der auf mich aufpasst, tut trotzdem gut.