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Zwischenruf SR 3 - Thomas Mann:Jeden Tag Auferstehung

Ein kleiner Roboter ermöglicht einem erkrankten Jungen am Schulunterricht teilzunehmen.
Ein Kopfhörer liegt auf einem Buch, daneben steht eine Tasse mit Tee oder Kaffee
Datum:
10. Mai 2026
Von:
Thomas Mann

Ein kleiner weißer Roboter, kaum größer als eine Thermoskanne. Seine Augen leuchten und sein Kopf kann sich in alle Richtungen drehen. Er steht in der Klasse an genau dem Platz, an dem sonst Noah sitzt. Der Roboter ist während Noahs Krankheit seine Augen, Ohren und Stimme. Darum nennt man so ein Gerät auch Teleavatar, Stellvertreter.

Noah ist schwer erkrankt. Lebensbedrohlich. Dabei hat er große Pläne, wie alle Jungs in seinem Alter. Das ganze Leben liegt doch noch vor ihm. Die Therapien sind so anstrengend und heftig, dass er nicht mehr zur Schule kann. Auch sein Schulabschluss ist deswegen gefährdet. Noah könnte den Anschluss verlieren, nicht nur beim Schulstoff, sondern auch bei seinen Freunden. Schwere Erkrankungen führen oft in Isolation und Einsamkeit, besonders bei Jugendlichen.

Genau hier kommt der kleine Roboter ins Spiel. Noah steuert den Avatar, der in seiner Klasse steht. Er kann so dem Unterricht folgen. Mittendrin statt nicht dabei. Seine Freunde kümmern sich darum, dass der Roboter aufgeladen ist oder sicher in den nächsten Raum gelangt. Seine Lehrer geben ihm Aufgaben, er kann Klassenarbeiten mitschreiben und muss die Klasse nicht wiederholen.

„Die tägliche Struktur ist so wichtig. Sie ist vielleicht sogar wichtiger als das Teilhaben an der Schule. Auch die Klassenkameraden und Lehrer haben ein paar Wochen gebraucht, sich an die Maschine zu gewöhnen", sagt Noahs Mama. „Noah muss aufstehen, frühstücken und sich für den Unterricht fertig machen. Er ist sehr diszipliniert." So behält er die Motivation, behält seine Hoffnung und seinen Glauben daran, dass er die Krankheit überstehen wird. Auferstehung findet für Noah jeden Tag statt und ein kleiner Roboter unterstützt ihn dabei. Gott sei Dank.