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Zwischenruf - Matthias Scheer:Schubsen erlaubt?

Beim Parken die Handbremse einfach gelöst lassen: In engen italienischen Städten ist das völlig normal. In Deutschland eher undenkbar.
Ein Kopfhörer liegt auf einem Buch, daneben steht eine Tasse mit Tee oder Kaffee
Datum:
15. Juni 2026
Von:
Matthias Scheer

Schubsen erlaubt! Kaum zu glauben, aber in Rom gilt beim Parken scheinbar genau dieses Motto. Ich laufe in der ewigen Stadt entlang einer zugeparkten Straße. Plötzlich bremst ein kleiner italienischer Flitzer neben mir. Die Fahrerin schiebt mit ihrer Stoßstange einfach ein paar Autos ein Stück vor und zurück – schwups, schon hat sie einen Parkplatz. Ohne gezogene Handbremse, ohne eingelegten Gang. Die Stoßstange tat dort genau das, was ihr Name verspricht: Sie fing den Stoß ab. Absolut praktisch, trotz kleiner Kratzer – so passt ihr Auto noch in die Lücke.
Bei uns wahrscheinlich undenkbar. Wenn es auf unseren Straßen beim Einparken kracht, schießt der Puls sofort auf 180. Ein freundliches Lächeln und Danke für den Parkplatz, das reicht da nicht. Oh je, die Anwalts- und Versicherungskosten – mir schwant Übles. Und heute? Sterben diese Stoßstangen aus. Moderne Autos sind vollgestopft mit Sensoren und Kameras. Ein sanfter Stupser bedeutet heute direkt: Kostenvoranschlag, Werkstatt, hunderte Euro Schaden. Die Technik, die uns eigentlich schützen soll, macht viele dünnhäutiger. Jede kleine Berührung wird zur Krise.
Mich erinnert das an ein Wort aus der Bibel: „Ein gelassener Mensch ist besser als ein starker.“ Gelassenheit meint hier eine innere Weite – die Fähigkeit, Druck nachzugeben, anstatt wütend alles zu blockieren.
Meine inneren Sensoren piepsen einfach zu oft. Sie übertönen dann schnell mein Herz, das viel nachgiebiger ist, manches wegstecken kann oder sogar dem anderen ein Stück entgegenrollen kann. 
Wie wäre es, heute mal die innere Handbremse gelöst zu lassen und nachgiebig zu sein, wenn es im Alltag mal eng wird. Damit füllen Sie eine große Lücke im Miteinander.