Zwischenruf - Wolfgang Drießen:Träume

Hollywoodstar Kirk Douglas hatte einen Traum: einmal in einem bestimmten Hochhaus am Central Park in New York eine teure Suite mieten und hinunter auf den Park schauen. Viele Jahre später erzählt er davon in einem Interview. „Und wissen Sie was? Ich habe mir diesen Traum erfüllt. Und das Komische daran war: Ich sah hinunter auf den Park, und wurde traurig. Ich denke das passiert, wenn sich ein Traum erfüllt. Es hinterlässt ein Gefühl von Trauer. Deshalb braucht man schnell einen neuen Traum.“ Warum mir diese Sätze im Gedächtnis geblieben sind? Vielleicht weil ich, immer wenn ich Schauspielerbiographien lese, denke: das wäre auch was für dich gewesen. In andere Rollen schlüpfen, auf der Bühne stehen, Menschen im Theater zum Lachen, zum Weinen, zum Nachdenken zu bringen. Aber dann denke ich: o Gott, nie im Leben könnte ich die langen Texte auswendig lernen, das wäre ja nie was geworden. Und aus der Traum. Ja, vor 50 Jahren vielleicht, da wäre das noch gegangen. Aber das ist lange her. Trotzdem: man darf ja träumen, man muss sogar träumen, wie Kirk Douglas sagt. Für die Bibel sind Träume etwas ganz Wichtiges. Wenn man sie denn ernst nimmt und richtig deuten kann. Für die alten Propheten sind die Träume sogar wie ein direkter Draht zu Gott. Das habe ich bei mir ganz ehrlich so noch nicht bemerkt. Dafür träume ich zumindest im Schlaf viel zu konfus und manchmal wirklich dummes Zeug. Aber trotzdem: wenn ich mal genau hinschaue, merke ich, dass ein klein wenig von meinem heimlichen Lebenstraum doch wahr geworden ist. Ich stehe z, B. mit dem Chor, in dem ich singe, ab und zu vor Publikum. Und ein paar Mal im Jahr darf ich im Radio sprechen, so wie heute Morgen. Na, wenn das keine Bühne ist. Träumen wir also und schauen mal, was daraus wahr werden kann.