Zwischenruf - Dr. Frank Kleinjohann:Vom Mut zum Feiern in belastender Zeit

Letztes Jahr war ich in Köln im berühmten Festsaal „Zum Gürzenich“ zu einer Prunksitzung der Kölner Karnevalsgesellschaft. Vier Stunden lang habe ich herzlich gelacht über die witzigen Büttenreden, mitgesungen und -geschunkelt bei der Musik der bekannten Kölner Karnevalsbands und sogar getanzt. Als ich zwischendurch kurz auf mein Handy schaute, sah ich die Meldung von einem Bombenangriff in der Ukraine. Es durchzuckte mich: Darf ich Fasching feiern, während dort Menschen im Krieg sterben? Ist es nicht geschmacklos, zu singen und herumzutanzen bei so viel Leid und Elend in der Welt?
Der 1997 verstorbene Philosoph Josef Pieper hat sich mit dem Fest beschäftigt. Immer wenn der Mensch ein Fest feiert – so Pieper -, bejaht der Mensch den letzten Sinn der Welt. Trotz aller Unstimmigkeiten und Tränen spürt der Mensch, wenn er feiert, eine tiefe Übereinstimmung mit dem Sinn der Welt. Für mich ist dies ein ermutigender und großartiger Gedanke. Wenn ich Karneval feiere, bringe ich etwas ganz Wichtiges zum Ausdruck: Dass man trotz aller Kriege an den Sinn der Welt glaubt. Dass die Freude eines Festes mir die Kraft gibt, auch in den Herausforderungen und Problemen des Lebens zu bestehen. Es ist kein Zufall, dass Fasching und Karneval aus der christlichen Tradition kommen. Vor der Fastenzeit, die am Aschermittwoch beginnt, sollten die Menschen noch einmal ausgelassen das Leben feiern. Irgendwie ist es auch eine Friedens-Demonstration.
Darf ich also am Ende des vierten Jahres des Ukraine-Krieges Fasching feiern? Ich bin zutiefst davon überzeugt: Ich darf es nicht nur. Ich muss es. Weil ich an den Sinn des Lebens und nicht den Unsinn des Krieges glaube.