Zwischenruf - Lisa Olschewski:Dann tanz´ ich mit meinen Dämonen

Ich bin im Auto unterwegs und höre Radio. Philipp Poisel singt in gewohnt wehklagendem Ton: Wo gestern Wolken hingen und dichter Nebel war, wird bald der Himmel frei sein, sonnig und blau und klar. Alles, was gestern schwer war, dunkel und ohne Sinn, wird morgen schön und bunt sein. Alles wird gut.
„Blabla“, denke ich. Wem soll das nützen? Wenn es um mich herum dunkel und neblig ist, ist diese „Alles-wird-gut-Parole“ nicht hilfreich. Toxische Positivität nennt man das. Das meint, dass es oft das Gegenteil bewirkt, wenn man in der Krise reflexartig das Gute betont.
Das Lied im Radio wabert weiter vor sich hin. Ich bin kurz davor, es leise zu drehen. Doch ich höre widerwillig weiter zu: Dann tanz' ich mit meinen Dämonen, dann trink ich ein Bier mit der Wut, dann spring' mit meinen Ängsten vom Zehner und am Ende wird alles wieder gut sein, mein Leben voller Mut sein, ich werd' der beste Freund der Wut sein.
Und plötzlich ist da etwas, das mich anspricht. Kein Blabla, sondern etwas, das ich irgendwie tröstlich finde. Denn es leugnet nicht die Krise oder übergeht meine Angst, meine Trauer oder meine Wut. Vielmehr verspricht es mir, dass sie zu meinen Vertrauten werden können. Ich bekomme einen anderen Blick auf diese Gefühle, die ich am liebsten loswerden würde. Und ich erahne: Es wird nicht alles einfach wieder gut. Aber ich kann lernen, mit meinen Dämonen zu tanzen.