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Zwischenruf - Martin Wolf:Empathie

Hinter jedem Amt und jeder Funktion steht immer ein Mensch
Ein Kopfhörer liegt auf einem Buch, daneben steht eine Tasse mit Tee oder Kaffee
Datum:
4. Nov. 2026
Von:
Martin Wolf

Es war nur ein kleiner Satz, eher leise vorgetragen, der mir nach dem Rücktritt von Arbeits- und Sozialministerin Bärbel Bas vor zweieinhalb Wochen noch nachgegangen ist: Hinter all diesen Ämter stehen am Ende Menschen. Im Getöse der gegenseitigen Schuldzuweisungen, die dann folgten, ist er schnell wieder untergegangen.  

Eigentlich eine Binsenwahrheit. Dass es keine seelenlosen Apparatschiks gibt, sondern immer konkrete, wenn auch sehr unterschiedliche Menschen. Je stressiger und unübersichtlicher aber das eigene Leben wird, so scheint mir, umso gnadenloser geht es zu. Nicht nur gegen Politikerinnen und Politiker. Auch Polizisten, Ärztinnen und Pflegekräfte können ein Lied davon singen. Woran es oft hapert, ist Empathie. Die Fähigkeit und den Willen also, mich auch mal in den anderen hineinzuversetzen. In ihm den Menschen zu sehen. Mir zumindest vorzustellen, wie es dem anderen gehen könnte. Was ihn oder sie jetzt bewegt. 

Natürlich kann Empathie keine Einbahnstraße sein. Auch von meiner Ärztin darf ich erwarten, dass sie nicht nur meine Laborwerte anschaut, sondern mich, den Menschen. Ich kann von Politikern erwarten, dass sie sich wirklich für die interessieren, die sie vertreten. Nicht nur vor Wahlen.  

Was Empathie heißen kann, das lässt sich in der Bibel nachlesen. An der Art etwa, wie Jesus mit Menschen umgegangen ist. Klar, kann nicht jeder. Aber versuchen kann man es. Und lernen. Wenn man es denn will. Und ein Anfang könnte schon sein, sich öfter mal an einen Satz, wie den vorhin gesagten zu erinnern: Hinter all diesen Ämter stehen am Ende Menschen.