Zwischenruf - Christian Heinz:Demokratie schon in der Kita

“Da geht es ja zu wie im Kindergarten.”, beim Blick auf manche Debatte in unserm Bundestag und anderen Parlamenten, denkt das vielleicht der ein oder die andere. Damit tut man aber den Kitas und den Kindergartenkindern unrecht. Die Redensart “wie im Kindergarten” will beschreiben: Es geht etwas chaotisch zu, Emotionen kochen hoch, Menschen sind beleidigt und werden beleidigt, man wird laut.
Man tut den Kitas unrecht, weil es dort nämlich anders zugeht. Denn dort lernen Kinder schon sehr früh, wie das funktioniert: Demokratie und Debattenkultur. Dass es politische Kräfte in unserem Land gibt, die das als “frühkindliche Indoktrination” kritisieren, mag kaum verwundern.
Die katholische Kita ggmbh schreibt in ihren Einrichtungen Mitbestimmung groß und zeigt damit obendrein, dass Kirche und Demokratie doch zusammen gehen. Die Kinder in den Kitas lernen ihre Rechte kennen und wie sie für diese eintreten können - gegenüber den anderen Kindern und auch den Erwachsenen. Und das ohne Chaos und Gebrüll, wie in mancher Bundestagssitzung. In der Kita wird einander zugehört und auch abgestimmt. Die Kinder werden nicht indoktriniert, sondern lernen: Vom Recht auf Bildung über die Rechte auf Gleichheit, Mitbestimmung, Gesundheit, elterliche Fürsorge, Freizeit und Spiel, Schutz vor Krieg, gewaltfreie Erziehung bis zum Recht auf Privatsphäre...
Am 18. Mai 1848 trat in der Frankfurter Paulskirche das erste deutsche frei gewählte Parlament zusammen. Ein guter Tag sich daran zu erinnern, dass Demokratie nie früh genug beginnen kann.