Zwischenruf - Christian Heinz:Der erste Italiener

Das war der erste Italiener. Wenn Menschen bei mir in Hermeskeil davon erzählen,
geht es um das erste italienische Restaurant im Ort und nicht um den ersten Italiener überhaupt.
Mir persönlich ist das sehr sympathisch, den „ersten Italiener“ gleich kulinarisch mit Essen und Trinken, Stunden in Gemeinschaft, ja mit einem Lebensgefühl zu verbinden. „Il primo italiano“, der erste Italiener, sagt der Schriftsteller Aldo Cazzullo, sei Franz von Assisi.
Das mit dem ersten Italiener stimmt mit Franziskus historisch auch nicht.
Was aber stimmt: Ist das Lebensgefühl, dolce vita. Denn das hat Franziskus den Italienern und auch uns gebracht. Franz von Assisi, der ja vor allen Dingen eher für das Ideal der Armut bekannt ist, war kein Kostverächter.
Ganz im Gegenteil: Er hält seine Brüder an, das zu essen, was ihnen serviert wird.
Sein Lieblingsgebäck, so heißt es, waren Mandelplätzchen, ähnlich wie Cantuccini,
zubereitet von seiner Freundin Jacoba von Settesoli.
Vor 800 Jahren stirbt Franziskus. Noch auf dem Sterbebett wünscht er sich sein Lieblingsgebäck.
Noch bevor der Wunsch an seine Freundin übermittelt ist, so die Legende, ist sie schon da mit dem Gebäck. Und da ist er wieder der “erste Italiener”: Gutes Essen aber auch Gemeinschaft, selbst noch an der Schwelle des Todes.
Im Saarland gibt es eine große italienische Community, vielleicht auch, weil das saarländische “Hauptsach gudd gess, geschafft han mir schnell”, so kompatibel zum italienischen dolce Vita ist.
Vielleicht ist ja der heutige Tag eine gute Gelegenheit genau dafür.
Für die Lieblingsplätzchen des Franziskus braucht es nur wenige Zutaten: Mandeln, Zucker, Eiweiß, Zitronen. Und nicht zu vergessen, eine gute Freundin oder einen guten Freund, mit dem man sie teilen kann.
Buon appetito.