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Lebenszeichen - Corinna Achtermann:Ein Tag für die Freiheit – und eine Frage, die bleibt: Bin ich wirklich frei?

Am 4. Juli wird in den USA der Unabhängigkeitstag gefeiert. Ein Tag, um über den Begriff der „Freiheit“ nachzudenken.
Man sieht kleine grüne Pflanzen, die gerade beginnen zu wachsen
Datum:
4. Juli 2026
Von:
Corinna Achtermann

Am 4. Juli wird in den USA der Unabhängigkeitstag gefeiert. In diesem Jahr bereits zum 250. Mal. „Freiheit“ und die damit verbundenen Gefühle spielen in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung. Menschen feierten damals – und tun es bis heute – die politische Freiheit, die Loslösung von äußerer Herrschaft, die Möglichkeit, über das eigene Leben und die eigene Zukunft selbst zu bestimmen. 
Im Alltag zeigt sich allerdings immer wieder, wie anfällig und flüchtig Freiheit doch ist. Das Ziel unabhängig zu sein, selbstbestimmt und ohne Druck oder Erwartungen zu leben ist für viele Menschen auch heute noch in weiter Ferne, vielleicht sogar unerreichbar. Das kann von außen kommen oder in jeder Person selbst begründet liegen.  
Im Kleinen kann ich solche Tendenzen auch bei mir selbst entdecken. Wenn ich versuche es allen recht zu machen. Wenn ich dann innerlich nachgebe, statt bewusst zu entscheiden. Wenn ich eine Entscheidung treffe, aus Angst andernfalls etwas falsch zu machen. 
Und während ich darüber nachdenke, mache ich die unbequeme Feststellung: So frei, wie ich immer glaube und denke, so frei bin ich in meinem Handeln oft eigentlich gar nicht. Und während ich über die Freiheit oder eben Unfreiheit nachdenke, fällt mir ein Wort des Apostels Paulus ein. 
In seinem Brief an die Gemeinden in Galatien schreibt er: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit.“ 
Diese Worte klingen nicht nach einem Ideal, das erst erkämpft werden muss – wie die Unabhängigkeit in den USA und in vielen anderen Ländern auf der Welt. Sie sprechen von etwas, das bereits da ist – von einer Freiheit, die geschenkt ist. Eine Freiheit, die jemand anderes, nämlich Christus, erkämpft hat. Eine umfassende Freiheit. Eine Freiheit nach innen und nach außen. 
Während der 4. Juli an eine äußere Befreiung erinnert, lenkt Paulus den Blick nach innen. Es ist die Freiheit, die sich langsam entfaltet, wenn Schuld nicht mehr alles bestimmt. Wenn Fehler nicht das letzte Wort haben. Wenn das eigene Leben nicht ständig bewiesen werden muss. Vielleicht beginnt sie ganz klein – indem ich meine Möglichkeiten zum Handeln wahrnehme. Indem ich lerne, mit meinen eigenen Fehlern liebevoller umzugehen.
Diese Freiheit hat meiner Meinung nach nichts mit Beliebigkeit zu tun. Sie bleibt nicht bei sich selbst stehen. Wer sich angenommen weiß, muss sich nicht mehr krampfhaft behaupten. Daraus entsteht Raum – für andere, für ein Miteinander. Und manchmal beginnt das ganz praktisch: indem ich den Mut finde, freundlich „Nein“ zu sagen, oder mich nicht von jeder Erwartung bestimmen lasse.
Vielleicht zeigt sich echte Freiheit gerade dort –Wenn Gedanken zur Ruhe kommen. Wenn ich mir erlaube, einfach einen Moment still zu werden – ohne Druck. Wenn ein neuer Anfang möglich wird, ohne mich an der Vergangenheit festzuklammern.
Echte Freiheit braucht nicht das Feuerwerk des Unabhängigkeitstages. Oft lässt sie sich still und tragend erfahren. Als eine Kraft von innen, die den Blick verändert – auf mich selbst, auf andere, auf das Leben. Eine innere Freiheit, die mich nach außen frei werden lässt.
Sie braucht nicht laut und demonstrativ gefeiert zu werden – auch wenn diese Zeichen deutlich vor Augen führen, wie wertvoll die Freiheit ist.  
Und vielleicht wird so sichtbar: Es gibt eine Freiheit, die erkämpft wurde und immer wieder erkämpft werden muss – und eine, die entdeckt werden darf. Eine äußere und eine innere. Beide haben ihren Wert und beide haben miteinander zu tun. Doch die, meiner Meinung nach, wirkliche Freiheit ist die, die bleibt, auch wenn äußere Umstände sich ändern.