Zwischenruf - Marianna Barachino:Harmonie

Ich bin ein harmoniebedürftiger Mensch. Ich liebe es, wenn alle glücklich sind, wenn die Stimmung im Raum wie eine gemütliche Couch ist, auf der man am liebsten stundenlang verweilt. Ich gehöre aber auch zu den Menschen, die sehr schnell merken, wenn die Stimmung im Raum sich eher wie ein wackliger Hocker anfühlt. Sobald die Stimmung kippt, gehen bei mir die Alarmglocken an.
Harmonie bedeutet ja sowas wie Einklang. Wenn ich einem Orchester zuhöre, dann bedeutet Harmonie: jeder Ton passt zusammen. Alles klingt stimmig. Ein Idealzustand für meine Wahrnehmung.
Ich stelle mir das harmonische Orchester vor. Jetzt aber trifft eine Geige den Ton nicht, der Saxophonist hat die falschen Noten vor sich. Und innerlich krümmt sich alles in mir. Irgendetwas stimmt nicht und ich versuche zu verstehen, was es ist.
In einem Orchester kann das einfach korrigiert werden. Man fängt wieder von vorne an und sucht den Einklang. Bei einer Gruppe Menschen ist das nicht so einfach. Denn vielleicht hat das nichts mit der Gruppe zu tun, vielleicht geht es einer Person gerade schlecht und sie kann keine Harmonie mitbringen. Vielleicht ist die zweite Person sauer, weil jemand einen unsensiblen Witz gemacht hat.
Mein Harmoniebedürfnis schaltet zwar den Alarm an, macht mich aber auch aufmerksam für das, was in meiner Gruppe passiert und nicht gleich sichtbar ist. Es macht mich empathisch und offen. Und ich kann einer anderen Person Platz auf einer Couch machen, damit sie nicht auf dem wackligen Hocker bleiben muss.