Zum Inhalt springen

Zwischenruf - Marianna Barachino:Plötzlich aufmerksam

Wenn Routinen Platz schaffen, rückt das Wesentliche in den Blick.
Ein Kopfhörer liegt auf einem Buch, daneben steht eine Tasse mit Tee oder Kaffee
Datum:
12. Sept. 2026
Von:
Marianna Barachino

Ich mag Routinen sehr. Sie geben mir Sicherheit und Struktur in einem Alltag, der manchmal etwas überfordernd sein kann. Sie helfen mir in der komplexen Arbeitswelt, sie beruhigen mein Nervensystem. Routinen öffnen aber auch mein Gehirn dafür, dass etwas Unerwartetes eintreten kann. Und dann beginnt das Grübeln. 
Ein Beispiel: ich war letzte Woche mit dem Auto unterwegs, um einen Arbeitstermin wahrzunehmen. Nachdem ich fast eine Stunde gefahren war, nur auf die Straße konzentriert, waren meine Gedanken irgendwie leer. Als hätte ich durch das simple Autofahren und nicht groß nachdenken Platz geschaffen. Und ich fuhr an einer Einrichtung vorbei: das Gebäude war deutlich in die Jahre gekommen, der Vorhof bestand nur aus Schotter. Irgendwie sah es dort echt… ja, traurig aus. Und auf diesem Vorhof, der wirklich nichts Schönes ausstrahlte, sah ich 10 Kinder, wie sie sich notdürftig ein Fußballtor aufgebaut hatten und am kicken waren. Ein ganz normales Bild eigentlich. 
Und doch: diese Kinder zu sehen, die trotz der offensichtlich hässlichen Kulisse Spaß haben und spielen können. Das geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Es nimmt so viel Raum dort ein, wo ich mir mühsam durch Automatismen Raum geschaffen habe. Dieses Bild fordert mich heraus: sollte ich nicht aus meiner Routine ausbrechen und den Kiddies einfach zwei richtige Fußballtore hinstellen gehen?
Ich frage mich gerade, ob das nicht vielleicht auch Sinn einer Routine sein kann. Dass sie im Gehirn Platz schafft, um für wichtigere Dinge im Leben aufgerufen zu werden, zum Beispiel den Kindern den hässlichen Vorplatz ein bisschen schöner zu machen.