Zwischenruf - Martin Wolf:Brot der Gemeinschaft

Heute Feiertag, morgen Brückentag, langes Wochenende. Für Viele zumindest. Fronleichnam sei Dank. Doch was da eigentlich gefeiert wird, das wissen deutlich weniger. Wenn ich mich ans katholische Westfalen erinnere, wo ich aufgewachsen bin, dann bedeutete Fronleichnam damals vor allem: Geschmückte Straßen. Blumenteppiche in Hauseingängen. Feierliche Prozessionen. Fronleichnam, das waren Blaskapellen und hunderte Menschen, die singend und betend durch den Ort zogen. Und ein Pfarrer, der mittendrin das geweihte Brot aus dem Gottesdienst feierlich durch die Straßen trug. Das alles gibt es auch heute noch. Nur vielleicht bescheidener als früher.
Mag sein, dass manches heute auch etwas aus der Zeit gefallen erscheint. Auch für viele Katholiken. Nicht aus der Zeit gefallen ist aber, worum es dabei gehen sollte. Denn Prozessionen erzählen ja immer von einer Hoffnung. Dass Gott mit dabei ist. Mit auf dem Weg. Überall. Und weil Gott nun mal nicht zu greifen ist, wird das Brot aus dem Abendmahl mit durch den Ort getragen. Das Brot als Zeichen der Gemeinschaft mit ihm. So wie Jesus es damals, bei seinem letzten Mahl mit seinen Jüngern, gewollt hatte. Wenn Katholiken Fronleichnam feiern, dann feiern sie also dieses Brot der Gemeinschaft. Und einen Gott, der sich nicht in Kirchen versteckt. Einen, der sich überall finden lässt.