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Zwischenruf SR3 - Martin Wolf:Lebensweisheit üben

Wie man Lebensweisheit in der Bahn üben kann.
Ein Kopfhörer liegt auf einem Buch, daneben steht eine Tasse mit Tee oder Kaffee
Datum:
6. Juni 2026
Von:
Martin Wolf

Signalstörung, Bahnübergangsstörung, Weichenstörung, Streckenstörung. Wer regelmäßig Bahn fährt kennt das alles. Vor kurzem ist mir das alles aber nacheinander passiert. Und weil ich auch noch einen beruflichen Termin hatte, zu dem ich nicht zu spät kommen wollte, bin ich vor Ärger kurz explodiert. Danach hab ich mich dann leise geschämt. Denn die anderen um mich herum saßen entspannt da, vertieft in ihre Handys. Entweder war es ihnen egal. Oder sie hatten sich einfach mit der Lage arrangiert. An dem Schlamassel war eh nichts zu ändern.
Es gibt die alte Weisheit, dass man Dinge, die man ändern kann, auch anpacken sollte. Die andern aber, die nicht zu ändern sind, am besten gelassen ertragen. Und ja, den Reflex auf „die da oben“ zu schimpfen, den spüre ich manchmal auch. Auf „unfähige Bahnmanager“, „inkompetente Politiker“. Das ist billig zu haben und trotzdem oft falsch. Weil es viele Probleme gibt, die keiner, der jetzt verantwortlich ist, verursacht hat. Und deshalb auch nicht beschimpft und bepöbelt werden sollte. Die Zugbegleiterin nicht und auch nicht der Politiker. Ärgern darf ich mich trotzdem – und immer wieder üben: Gelassen zu ertragen, was ich jetzt nicht ändern kann.