Zum Inhalt springen

Lebenszeichen - Wolfgang Drießen:Licht und Finsternis

Hank Williams aus Alabama, ein Mann, der, obwohl es so finster in ihm war, das Licht gesehen hat.
Man sieht kleine grüne Pflanzen, die gerade beginnen zu wachsen
Datum:
6. Juni 2026
Von:
Wolfgang Drießen

Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten. Diese Lebensweisheit von Johann Wolfgang von Goethe trifft auch auf einen Künstler zu, den man in Amerika den „Shakespeare der Hillbilly Music“ nannte, Hank Williams aus Alabama. Der konnte keine Noten lesen oder schreiben, schrieb aber Mitte des letzten Jahrhunderts einen Hit nach dem anderen. Seine Fans jubelten ihm zu bei seinen Konzerten. Wofür er gar nichts kann ist, dass seine Popularität heute ganz aktuell von der MAGA Bewegung um Donald Trump ausgenutzt wird, die seine Lieder auf ihren Veranstaltungen spielen lässt. Aber das ist eine andere Geschichte. Einer seiner Musiker sagte einmal, nie habe er einen Künstler mit einer solchen Ausstrahlung auf der Bühne erlebt. Seine Schattenseite waren die Alkoholsucht und ein Rückenleiden. Gegen die Schmerzen musste er immer stärkere Medikamente nehmen. Auch die machten ihn abhängig. Hank Williams schrieb Texte und sang Lieder, die den Menschen aus dem Herzen sprachen. Wie im Lied „I m so lonesome I could cry“: „Hörst du den einsamen Ruf der Nachtschwalbe? Er klingt zu traurig zum Fliegen.......Ich habe noch nie eine so lange Nacht erlebt, in der die Zeit so langsam dahinkriecht. Der Mond ist hinter den Wolken verschwunden, um sein Antlitz zu verbergen und zu weinen. Hast du je ein Rotkehlchen weinen sehen, wenn die Blätter zu sterben beginnen? Wie ich hat es den Lebenswillen verloren. Ich bin so einsam, ich könnte weinen.“ Seine Texte sind voller Bilder und die Leute sagen: „Der meint ja mich, der kennt mich, der kennt meine Schmerzen, mein ganzes Elend, meine Sorgen und Nöte, und der weiß, über was ich mich freue.“
Auf die Frage: Hank, wie schreibst du eigentlich deine Texte, sagte er: „Ich schreibe sie nicht. Ich halte einfach den Stift und Gott lässt sie zu mir kommen.“ Ganz ehrlich, so einen Glauben möchte ich manchmal auch haben, so einfach und schnörkellos. Wenn man an Gott den Schöpfer glaubt, der die Welt geschaffen hat, dann kann man auch glauben, dass er bei einem dreiminütigen Countrysong den Bleistift des Komponisten führt.
Hank Williams Leben war ein ständiger Kampf mit sich selbst. Aber mitten im Alkoholnebel und Tablettendunst glaubte er an die Erlösung durch Jesus. Er sagte: „Ich hab innere Dämonen, so wie jeder Mensch. Ich bin ein Sünder und ich mache Fehler, aber ich glaube an die Erlösung.“ Darüber hat er viele Songs geschrieben. Einmal lag er auf der Rückbank eines Autos auf dem Weg nach Hause nach einem Konzert und schlief mal wieder seinen Alkoholrausch aus.  Seine Mutter, die am Steuer saß, wollte ihn aufwecken. Sie rief: „Hank wach auf, wir sind fast da. Ich hab das Licht gesehen.“  Zu Hause angekommen, hatte er ein Lied daraus gemacht, „I saw the light“:
Ich sah das Licht, ich sah das Licht.
Keine Dunkelheit mehr, keine Nacht mehr.
Nun bin ich so glücklich, kein Kummer mehr in Sicht.
Gelobt sei der Herr, ich sah das Licht.

Die Konzerttournee 1952 war so anstrengend und schmerzhaft, dass er manchmal weinend auf dem Boden des Tourbusses lag und sagte: wenn ich die Augen zu mache, sehe ich Jesus auf mich zukommen. Er will den alten Hank holen.  Am 31ten Dezember 1952 ist er unterwegs im Auto bei Schneetreiben zu einer Show, die am nächsten Tag stattfinden sollte.  Er schläft auf der Rückbank des Autos.  Unterwegs müssen sie einen Arzt aufsuchen, der ihm Morphium gegen seine Schmerzen verabreicht. Das ist sein Verhängnis. Irgendwann unterwegs in den frühen Morgenstunden des 1. Januar 1953 stirbt Hank Williams mit nur 29 Jahren im Schlaf im Schneegestöber auf der Landstraße. 

Geblieben sind seine Lieder. So wie „I saw the light“ - Egal ob jemand religiös ist oder nicht: dieses Lied bleibt einfach im Kopf hängen.  Es ist fröhlich und flott, aber es geht um Erlösung und um einen Mann, der, obwohl es so finster in ihm war, das Licht gesehen hat.