Zwischenruf SR 3 - Luisa Maurer:Von offenen Türen

Heute vor 4 Jahren hatte ich um diese Zeit ein echtes Pfingsterlebnis. Ich saß in einem kleinen Wohnzimmer in Italien mit einer Reisegruppe aus Deutschland zusammen. Wir waren bei einer italienischen Familie zu Gast. Es muss irgendwann zwischen Hauptgang und Dessert gewesen sein. Da vermissten wir plötzlich Julia. Sie hatte sich auf die Toilette verabschiedet. Die Tür zum Bad war verschlossen. Und während wir uns alle ziemlich Sorgen machten, passierte es: Julia stand plötzlich wieder im Wohnzimmer – mitten in unserer Gruppe.
Mich erinnert das ein bisschen an die Situation der Jünger Jesu zu Pfingsten. Nach seinem Tod saßen sie, vermutlich ziemlich verängstigt, hinter verschlossenen Türen zusammen. Das Johannesevangelium erzählt: Als sie am wenigsten damit rechneten, trat Jesus selbst in ihre Mitte. Trotz verschlossenen Türen kommt da plötzlich jemand zu ihnen und zeigt ihnen: Auch wenn sie sich von der Außenwelt abschotten möchten und sich verschließen, ist da Begegnung über alle Grenzen hinweg möglich.
Julia hat mir in Italien etwas ähnliches gezeigt. Ja, auch weil sie sich von der verschlossenen Tür nicht hat einschüchtern lassen und einen Weg nach draußen fand. Die Badezimmertür klemmte und Julia nahm kurzentschlossen den Weg über die Balkontür zurück zu uns. Aber auch darüber hinaus: Sie konnte kein italienisch sprechen. Immer wieder fand sie eine Möglichkeit, anderen zu begegnen. Mit Händen und Füßen machte sie deutlich, was sie ausdrücken wollte. Und egal, wie verschlossen andere waren, fand sie auf charmante Art einen Weg, Türen zu öffnen. Ein echtes Pfingsterlebnis eben.